Workshop-Tipp: Learnings auf Karten schreiben

Learnings-Karten

Bei einigen Workshops schreibe ich die Learnings (also Konzepte, die die TeilnehmerInnen gelernt haben) auf Moderationskarten und hänge die Karten an eine Wand. Das funktioniert besonders gut bei Seminaren, bei denen ich viele kleine, in sich abgeschlossene Konzepte vermittele.

Für das gute Gefühl
Insbesondere bei Themen, bei denen nachher nicht etwas Sichtbares fertig ist (ein Plakat, ein Text, Programmcode), tragen die sichtbaren Karten bei den TeilnehmerInnen bei den befriedigenden Gefühl, etwas geschafft zu haben.

Fürs Feedback
Bei der Feedbackrunde am Ende des Tages können sich die Leute mit den Learnings-Karten noch einmal einen Überblick darüber verschaffen, was sie an dem Tag gelernt haben, und sich beim Feedback darauf beziehen.

Für die Wiederholung beim Aufwärmen
Als erste Inhaltliche Übung mache ich morgens gerne eine Wiederholung mit den Learnings-Karten. Dabei geht es reihum: Wer dran ist, sucht sich eine Karte aus und erklärt sie entweder den anderen oder lässt sie sich von den anderen erklären. Bei Bedarf ergänze/korrigiere ich die Erklärungen dann noch. Die erklärten Karten hänge ich zur Seite. Das geht so lange, bis wir alle Karten erklärt haben.

Um die Vorgesetzten und die KollegInnen zu beeindrucken
Wenn die Vorgesetzten oder KollegInnen während des Workshops (oder danach) in den Raum kommen, sehen sie direkt, was die Leute gelernt haben und worauf diese stolz sein können. Das ist vor allem bei solchen Workshops hilfreich, bei denen die Vorgesetzten die MitarbeiterInnen auf den Workshop geschickt haben.

Workshop-Tipp: Warum stellen die Leute keine Fragen?

Kommunikation

(Und was ich dagegen tun kann.)

Der Workshop-Bluff
Auf Seminaren und Workshops neigen die TeilnehmerInnen zum Workshop-Bluff (auch als Uni-Bluff bekannt): Alle sehen, dass die anderen offenbar alles verstehen und keine Fragen stellen. Deswegen geben sich alle TeilnehmerInnen Mühe, auch den Eindruck zu erwecken, alles zu verstehen, und stellen keine Fragen. Und fertig ist der große Bluff, der dazu führt, dass die Leute viel weniger lernen, als sie könnten, wenn sie Fragen stellten.

Was kann ich als Referent nun dagegen tun?

Die Es gibt keine dummen Fragen-Regel
Direkt am Anfang des Workshops stelle ich die Spielregeln für den Workshop vor. Eine dieser Regeln ist, dass es keine dummen Fragen gibt.

Ziel: Möglichst viel vom Workshop mitnehmen
Ich weise die TeilnehmerInnen auch darauf hin, dass Ziel des Workshops ist, dass sie möglichst viel Wissen vom Workshop mitnehmen — und nicht, dass ich mit einer bestimmten Menge Stoff durchkomme. Dazu gehört auch, dass die Leute Fragen stellen und mich notfalls mitten im Satz unterbrechen dürfen.

Kennenlernspiele
Am Anfang des Seminars baue ich Kennenlernspiele ein, die Spaß machen. Dadurch, dass sich die Leute etwas besser kennen, können sie sich mehr vertrauen und trauen sich eher, mit einer Frage zu zeigen, dass sie etwas (noch) nicht wissen.

Welche Fragen gibt es? fragen
Wenn ich nach Fragen frage, frage ich nicht Gibt es noch Fragen? (oder Noch Fragen?), sondern Welche Fragen gibt es?. Dadurch impliziere ich, dass es sowieso Fragen gibt, und dass sich jemand nur die Mühe zu machen braucht, die Fragen endlich zu stellen.

Alberne Auflockerungsspiele und Energizer
Ich spiele zwischendurch mit den Leuten Energizer (zum Beispiel Paranoia), damit sie sich nach der anstrengenden Kopfarbeit etwas bewegen und danach wieder gut konzentrieren können. Ein schöner Nebeneffekt von albernen Auflockerungsspielen ist, dass es im Vergleich dazu überhaupt nicht mehr peinlich ist, Fragen zu stellen. (Es ist eben alles relativ.)

Workshop-Tipp: Fahrplan-/Agenda-Plakat

Ich empfehle, bei Workshops den Fahrplan (die Agenda) immer auf ein Plakat zu malen und an die Wand zu hängen — auch wenn der Workshop ansonsten größtenteils mit dem Beamer als Präsentationsmedium arbeitet.

Workshop-Fahrplan auf einem Plakat

Den Ablauf auf einem Plakat zu haben, bietet mehrere Vorteile:

  1. Der Fahrplan ist immer sichtbar. Dadurch haben die TeilnehmerInnen immer die Möglichkeit, sich im Zeitplan zu orientieren. Außerdem können sie so vor dem Tagesfeedback den Tag Revue passieren lassen.
  2. Der Fahrplan hängt gleichzeitig zu den anderen Präsentationen. Dadurch können die TeilnehmerInnen die Agenda auch dann sehen, wenn auf dem Beamer oder der Moderationspinnwand gerade andere Inhalts zu sehen sind.
  3. Der Fahrplan lässt sich schnell ändern. Nachdem ich den Fahrplan am Anfang des Workshops vorgestellt habe, frage ich immer, ob es Anmerkungen oder Fragen zum Zeitplan gibt. Die gibt es tatsächlich ab und zu. (Und manchmal vergesse ich auch einfach mal etwas.) So kann ich den Zeitplan leicht mit einem Moderationsmarker ergänzen, ändern und auch im Laufe des Workshops anpassen.

Ich halte den Zeitplan auf dem Plakat dabei so allgemein, dass ich Kleinigkeiten ändern oder umstellen kann, ohne dass ich dafür direkt etwas auf dem Plakat zu malen brauche. (Mein eigener Zeitplan ist viel detaillierter als der auf dem Plakat.)

Workshop-Tipp: Entscheidungen mit der Gruppe fällen

Ampel in London

Bei Workshops sind ab und an organisatorische Entscheidungen mit der Gruppe zu fällen: Wann gehen wir essen, welche Übung machen wir zuerst, welche beiden Themen behandeln wir heute …

Wenn ich als ReferentIn (und dadurch die Person, die für den Prozess verantwortlich ist) die Entscheidung nicht komplett selbst fällen möchte, sondern zusammen mit der Gruppe (damit sich alle gehört fühlen), habe ich einige Möglichkeiten:

Die Gruppe diskutieren und entscheiden lassen
Das funktioniert erfahrungsgemäß nicht gut, weil das Vorgehen nicht explizit ist und auch nicht sicher gestellt ist, dass alle ausreichend zu Wort kommen. Dadurch kommt die Gruppe entweder zu gar keiner Entscheidung, oder die Gruppe fällt irgendwann eine halbgare Entscheidung, damit die Diskussion endlich beendet ist.

Mehrheitsentscheidung mit mehreren Optionen
So geht die Entscheidung sehr schnell. Allerdings erzeugt dieses Vorgehen eine unglückliche Minderheit (wenn die Entscheidung nicht einstimmig gefallen ist), die sich dessen bewusst ist, dass ihre Bedürfnisse gerade übergangen wurden.

Vorschlag machen und das Okay von der Gruppe holen
Dies ist das Modell, das ich bevorzuge. Ich schlage sehr konkret etwas vor und hole mir danach das explizite Okay von der Gruppe:

Ich schlage vor, dass wir um 13 Uhr essen gehen. Wäre das für alle okay?

Danach schaue ich in die Runde, ob alle nicken (oder neutral schauen), und mache das dann für alle transparent:

Das scheint für alle okay zu sein. Dann machen wir das so!

Wenn stattdessen jemand den Kopf schüttelt oder protestiert, kann ich die Person dann nach ihren Bedenken und Wünschen fragen, und dann entweder einen anderen Vorschlag machen oder die Gruppe moderiert kurz diskutieren lassen.
Dadurch fühlen sich alle in ihrer Meinung wahrgenommen, alle haben die Möglichkeit, ihre Bedenken zu äußern, und niemand fühlt sich überstimmt.

Workshop-Tipp: Die optimale Gruppengröße für Gruppenarbeit

Eine Gruppe Tiere

Damit in einem Workshop die Gruppenarbeit gut funktioniert, ist die richtige Gruppengröße wichtig. Sind die Gruppen zu klein, können sie nicht gut arbeiten. Und sind die Gruppen zu groß, können sich nicht alle Teilis beteiligen, und die Gruppenarbeit fühlt sich für die unnötig an.

Welche Gruppengröße ist jetzt für welche Art Aufgabe am besten?

Methodenspezifische Gruppen
Es gibt Methoden oder Übungen, die eine ganz bestimmte Gruppengröße erfordern. Beim kontrollierten Dialog benötigt man beispielsweise immer Dreiergruppen (und ein oder zwei Vierergruppen, falls es sonst nicht aufgeht).

Einzelarbeit
ist die richtige Gruppengröße, wenn die Teilis die Aufgaben gut alleine hinbekommen. Wenn man für solche Art Aufgaben trotzdem Gruppenarbeit benutzt, fühlt sich die Gruppenarbeit künstlich und nach Arbeitsbeschaffungsmaßnahme an.

Zweiergruppen
sind die richtige Gruppengröße, wenn die Aufgaben so schwierig sind, dass einzelne Teilis sie nicht gut bearbeiten können. Wenn jemand feststeckt, kann das andere Gruppenmitglied helfen. Außerdem können sich die beiden Teilis gegenseitig korrigieren und Feedback geben. Die Aufgaben sollten aber nicht auf verschiedene Erfahrungen und Perspektiven aufbauen.

Dreier- und Vierergruppen
sind die richtige Gruppengröße, wenn es für die Aufgabe wichtig ist, dass die Teilis ihre unterschiedlichen Expertisen, Erfahrungen und Sichtweisen einbringen können.

Größere Gruppen
sind für Gruppenarbeit fast immer ungeeignet.

Workshop-Tipp: Spielregeln für Workshops

Dies ist der erste Teil einer Serie von Artikeln mit Tipps zu Workshops.

Zu Anfang eines Workshops vereinbare ich mit den TeilnehmerInnen immer ein paar Regeln. Ich stelle die Regeln kurz vor, frage dann, ob alle damit einverstanden sind (war bisher immer so) und spreche es dann kurz aus, dass die Regeln tatsächlich für alle okay sind.

Plakat mit Workshop-Spielregeln

Plakat mit den Spielregeln eines Train-the-Trainer-Workshops

Es gibt keine dummen Fragen
Ich möchte, dass die Teilis möglichst viel auf meinem Workshop lernen. Dazu gehört, dass sie keine Angst haben, Fragen zu stellen. Deswegen erkläre ich ihnen:

Es gibt keine dummen Fragen, sondern nur Erklärungen, die nicht zu dem passen, was ihr gerade an Erklärungen braucht und was ihr bisher schon wisst. Und es gibt Fragen, die halt gestellt werden müssen, und irgendjemand muss sich dann der Frage erbarmen und sie einfach stellen.

die Joker-Regel
Ziel des Workshops ist, dass alle gut lernen und arbeiten können und sich wohlfühlen.

Jede und jeder von euch hat nicht nur das Recht, sondern die Pflicht, einen Joker einzusetzen, wenn euch irgendetwas vom optimalen Lernen und Arbeiten abhält: Es ist zu kalt, es ist zu warm, die Stimmung in der Gruppe ist komisch, ich brauche eine Klopause, es geht mir gerade zu schnell, ich brauche eine Zigarettenpause …
Dabei braucht ihr mit euren Jokern nicht hauszuhalten – ihr habt so viele Joker, wie ihr braucht.

Bei Workshops, die sehr materialintensiv sind, habe ich zusätzlich noch …
Die Butler-Regel

Jede und jeder ist der anderen Personen Butler und hilft mit, wenn etwas aufzubauen, umzubauen oder aufzuräumen ist. Und ihr dürft euch natürlich auch gegenseitig gerne einen Kaffee bringen.

Die restlichen Regeln sind speziell für Train-the-Trainer-Workshops:
Lass dich darauf ein und sei neugierig!
Diese Regel ist speziell bei Workshops wichtig, bei denen die Teilis neue und möglicherweise auf den ersten Blick etwas seltsame Methoden und Übungen ausprobieren sollen.

Bring dich und deine Ideen ein!
Diese Regel ist hilfreich bei Workshops, auf denen die Teilis gegenseitig von ihren Erfahrungen profitieren können. Dies ist eine sehr schöne Wertschätzung der Expertise, die die Teilis schon mitbringen. Außerdem hilft es den Leuten, die schon mehr wissen, durch das Lehren noch mehr zu lernen („Lernen durch Lehren“).

Nimm mit, soviel du tragen kannst!
Ein Train-the-Trainer-Workshop ist ziemlich meta: Die Methoden, mit denen ich arbeite, sind gleichzeitig Beispiel für Methoden, die man auf Workshops benutzen kann. Diese Regeln erinnert die Teilis daran, auch immer mit diesem speziellen Blick auf die Methoden zu schauen.