Workshop-Tipp: Warum stellen die Leute keine Fragen?

Kommunikation

(Und was ich dagegen tun kann.)

Der Workshop-Bluff
Auf Seminaren und Workshops neigen die TeilnehmerInnen zum Workshop-Bluff (auch als Uni-Bluff bekannt): Alle sehen, dass die anderen offenbar alles verstehen und keine Fragen stellen. Deswegen geben sich alle TeilnehmerInnen Mühe, auch den Eindruck zu erwecken, alles zu verstehen, und stellen keine Fragen. Und fertig ist der große Bluff, der dazu führt, dass die Leute viel weniger lernen, als sie könnten, wenn sie Fragen stellten.

Was kann ich als Referent nun dagegen tun?

Die Es gibt keine dummen Fragen-Regel
Direkt am Anfang des Workshops stelle ich die Spielregeln für den Workshop vor. Eine dieser Regeln ist, dass es keine dummen Fragen gibt.

Ziel: Möglichst viel vom Workshop mitnehmen
Ich weise die TeilnehmerInnen auch darauf hin, dass Ziel des Workshops ist, dass sie möglichst viel Wissen vom Workshop mitnehmen — und nicht, dass ich mit einer bestimmten Menge Stoff durchkomme. Dazu gehört auch, dass die Leute Fragen stellen und mich notfalls mitten im Satz unterbrechen dürfen.

Kennenlernspiele
Am Anfang des Seminars baue ich Kennenlernspiele ein, die Spaß machen. Dadurch, dass sich die Leute etwas besser kennen, können sie sich mehr vertrauen und trauen sich eher, mit einer Frage zu zeigen, dass sie etwas (noch) nicht wissen.

Welche Fragen gibt es? fragen
Wenn ich nach Fragen frage, frage ich nicht Gibt es noch Fragen? (oder Noch Fragen?), sondern Welche Fragen gibt es?. Dadurch impliziere ich, dass es sowieso Fragen gibt, und dass sich jemand nur die Mühe zu machen braucht, die Fragen endlich zu stellen.

Alberne Auflockerungsspiele und Energizer
Ich spiele zwischendurch mit den Leuten Energizer (zum Beispiel Paranoia), damit sie sich nach der anstrengenden Kopfarbeit etwas bewegen und danach wieder gut konzentrieren können. Ein schöner Nebeneffekt von albernen Auflockerungsspielen ist, dass es im Vergleich dazu überhaupt nicht mehr peinlich ist, Fragen zu stellen. (Es ist eben alles relativ.)

Workshop-Tipp: Fahrplan-/Agenda-Plakat

Ich empfehle, bei Workshops den Fahrplan (die Agenda) immer auf ein Plakat zu malen und an die Wand zu hängen — auch wenn der Workshop ansonsten größtenteils mit dem Beamer als Präsentationsmedium arbeitet.

Workshop-Fahrplan auf einem Plakat

Den Ablauf auf einem Plakat zu haben, bietet mehrere Vorteile:

  1. Der Fahrplan ist immer sichtbar. Dadurch haben die TeilnehmerInnen immer die Möglichkeit, sich im Zeitplan zu orientieren. Außerdem können sie so vor dem Tagesfeedback den Tag Revue passieren lassen.
  2. Der Fahrplan hängt gleichzeitig zu den anderen Präsentationen. Dadurch können die TeilnehmerInnen die Agenda auch dann sehen, wenn auf dem Beamer oder der Moderationspinnwand gerade andere Inhalts zu sehen sind.
  3. Der Fahrplan lässt sich schnell ändern. Nachdem ich den Fahrplan am Anfang des Workshops vorgestellt habe, frage ich immer, ob es Anmerkungen oder Fragen zum Zeitplan gibt. Die gibt es tatsächlich ab und zu. (Und manchmal vergesse ich auch einfach mal etwas.) So kann ich den Zeitplan leicht mit einem Moderationsmarker ergänzen, ändern und auch im Laufe des Workshops anpassen.

Ich halte den Zeitplan auf dem Plakat dabei so allgemein, dass ich Kleinigkeiten ändern oder umstellen kann, ohne dass ich dafür direkt etwas auf dem Plakat zu malen brauche. (Mein eigener Zeitplan ist viel detaillierter als der auf dem Plakat.)